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Wenn nichts mehr geht – und genau das einen Sinn hat

  • Autorenbild: Anja Stork
    Anja Stork
  • 20. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 6. Mai

Es gibt diese Tage, an denen scheinbar nichts funktioniert.

Du wachst auf, obwohl du noch müde bist. Schon der Gedanke aufzustehen fühlt sich zu viel an. Nicht, weil du faul bist oder nicht willst, sondern weil dein System einfach… stehen bleibt.

 

Du liegst da, schaust vielleicht aufs Handy und drehst dich noch einmal um, weil nichts, was du heute tun könntest, irgendeinen Sinn ergibt.

Irgendwann stehst du doch auf, weil du auf´s Klo oder an die Arbeit musst. Aber es fühlt sich nicht nach „Start in den Tag“ an. Eher wie eine reine Vernunftentscheidung. Und am liebsten würdest du sofort ins Bett zurückkehren.

 


Von außen sieht das aus wie Faulheit, Unlust und fehlende Disziplin.

 

Aber das ist es nicht.

Die Ursache deiner Antriebslosigkeit liegt ganz woanders, nämlich in einer tiefen Erschöpfung. Und dein System hat entschieden, dass gerade keine Bewegung die sicherste Option ist, damit es überhaupt irgendwie weiterlaufen kann. Es ist ein Schutzmechanismus.

 

Wenn „zu viel“ einfach zu viel ist

 

Unser Körper unterscheidet nicht zwischen emotionalem Stress, mentalem Druck oder tatsächlicher Gefahr. Für ihn ist Belastung gleich Belastung. Und wenn zu viele Dinge gleichzeitig wirken – Veränderung, Unsicherheit, Erwartungen, Entscheidungen – dann passiert etwas sehr Kluges: dein Körper drosselt deine Energiezufuhr. Nicht komplett, aber genug, um dich zu bremsen.

 

Warum Druck alles schlimmer macht

 

In diesem Zustand setzen sich die meisten von uns noch mehr unter Druck, weil die Erwartungen an uns ja nicht weniger werden, nur weil wir nicht mehr können.

 

„Ich muss mich jetzt zusammenreißen“; „So kann ich nicht weitermachen“; „Ich verliere die Kontrolle“…

 

Das Problem ist: Druck signalisiert deinem System noch mehr Gefahr. Dein System reagiert daraufhin mit noch mehr Erschöpfung und noch mehr Stillstand. Es folgt mehr Druck usw. und wenn du aus diesem Kreislauf nicht herauskommst, wirst du irgendwann zusammenbrechen.

 

Doch: Wie wäre es, wenn du Erschöpfung und Stillstand nicht als Problem siehst, sondern als ersten Schritt zu Lösung? Als Signal deines Körpers? Als Bitte um Hilfe?

 

Unser Körper – ein stiller Held

Vom ersten Moment an, als zwei Zellen eins wurden, hat er seine Arbeit aufgenommen. Ohne dass wir ihn darum bitten mussten, hat unser Körper angefangen zu pulsieren, zu wachsen und uns Form zu geben. Seit unserer Zeugung ist er unser treuster Begleiter und das einzige Zuhause, das wir wirklich besitzen.

 

Er trägt uns durch Jahrzehnte, schützt uns vor der Welt, schenkt uns die Kraft für unsere Träume und hält oft weit mehr aus, als wir ihm zumuten sollten. Dennoch entziehen wir ihm Schlaf, füttern ihn mit Stress, ignorieren seinen Durst und übergehen seinen Schmerz.

 

Und was macht er?

 

Er heilt.

 

Immer wieder flickt er im Stillen die Wunden, die wir uns selbst oder das Leben uns zugefügt haben. Er regeneriert, kompensiert und kämpft an vorderster Front, damit wir am nächsten Morgen einfach wieder aufstehen und weitermachen können. Er ist ein Meister der Vergebung.

 

Doch genau hier liegt die Gefahr. Wir nehmen seine bedingungslose Hingabe als selbstverständlich hin, optimieren ihn, kritisieren ihn im Spiegel oder behandeln ihn wie ein Werkzeug, das niemals stumpf wird. Wir hören nicht auf das Flüstern seiner Müdigkeit, bis er irgendwann gezwungen ist zu schreien.

 

Doch wir dürfen nicht vergessen: auch die stärkste Quelle kann einmal versiegen.

Es wird der Tag kommen, an dem die Regenerationskraft nicht mehr ausreicht, um unsere Nachlässigkeit auszugleichen; wenn die Glieder schwer werden und die Heilung ausbleibt, merken wir oft erst, was wir an ihm hatten.

 

Wir müssen wieder lernen, unseren Körper zu sehen und auf ihn zu hören. Bevor der Akku leer ist, der Schmerz chronisch wird und es zu spät ist. Unser Körper ist nicht unser Sklave, sondern unser Partner. Er verdient unseren Respekt, unsere Pflege und vor allem unsere Aufmerksamkeit

 

Achte auf deinen Körper. Er ist der einzige Ort, den du zum Leben hast. Fange heute damit an und schenke ihm eine Pause, ein tiefes Durchatmen oder einfach ein ehrliches „Danke“.

 

Vielleicht startest du deinen Tag, wenn im Grunde nichts geht, einmal so:

 

Lege eine Hand auf die Brust. Atme tief ein und spüre, wie dein Brustkorb sich hebt. Schenke deinem Körper ein Lächeln voller Dankbarkeit für die Möglichkeit, atmen zu können und mache dir bewusst, dass außergewöhnliche Fähigkeiten deinen Körper in die Lage versetzen, mit Hilfe von Luft dein Leben zu erhalten.

 

Allein dieses kleine Signal und vielleicht schon bald Ritual wird deinen Blick auf deinen Körper verändern.

 

Es ist wichtig zu verstehen, dass gerade der Stillstand Teil eines gesunden Systems sein kann.


Und vielleicht ist dieser Moment der leise Anfang eines neuen Weges zurück zu dir selbst.

 
 
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